- Fachbeitrag
Der europäische Markt verlangt lokale Partner
Interview mit Willa Zhou von Bib Robotics
ReinigungsMarkt (RM): Frau Zhou, Bib Robotics hat sich bisher zumindest in der DACH-Region noch keinen Namen machen können, da es ein recht junges Unternehmen am Markt ist. Skizzieren Sie bitte kurz, wo die Wurzeln von Bib Robotics liegen?
Willa Zhou (WZ): Das stimmt, für den europäischen Markt ist Bib Robotics noch relativ neu, so waren wir zum Beispiel erst zum zweiten Mal überhaupt als Aussteller auf der Interclean. Unsere Muttergesellschaft stammt aus China und hat ihre Wurzeln eigentlich schon im Jahr 1994, doch das Unternehmen ist seit 2019 an der Börse gelistet. Der fachliche Ursprung liegt von Anfang an in der Robotisierung. Zunächst wurden Inspektionsroboter vor allem für Stromnetze entwickelt, weil diese Arbeiten für Menschen gefährlich sein können. Später kamen unter anderem Feuerwehrroboter hinzu. Interessant ist sicherlich ebenfalls, dass unsere Gründerin eine weibliche Führungspersönlichkeit ist – das ist in China noch immer eher selten – und sie hat das Unternehmen über viele Jahre erfolgreich aufgebaut.
RM: Wann kamen die Reinigungsroboter hinzu?
WZ: Die Reinigungsroboter waren ja nicht der erste Schritt. Nach den Inspektionsrobotern folgten zunächst medizinische Operationsroboter. Dieser Bereich ist inzwischen sehr erfolgreich; das entsprechende Unternehmen soll in diesem Jahr an die Börse gehen. Reinigungsroboter sind der dritte große Versuch. Wir sehen hier einen klaren langfristigen Trend, weil Technologie und Lieferketten in China inzwischen reifer geworden sind und der Markt groß genug ist, um langfristig in ihn zu investieren.
RM: In welchem Jahr begann die Produktion der Reinigungsroboter?
WZ: Im Jahr 2022 war der offizielle Start, wobei zunächst der vertriebliche Fokus insbesondere auf Japan und Korea lag.
RM: Daher ist Europa jetzt der nächste logische Schritt für BIB Robotics?
WZ: Wir waren bereits vor zwei Jahren in Europa präsent. Damals lag der Schwerpunkt intern jedoch stärker auf Asien, sodass wir nicht genügend Ressourcen in den europäischen Markt fließen lassen konnten. Jetzt wollen wir den europäischen Markt deutlich gezielter bearbeiten und starten neu durch.
RM: Gibt es dabei bestimmte Länder, auf die Sie sich besonders konzentrieren?
WZ: Langfristig betrachten wir den gesamten europäischen Markt. An der Marktgröße gemessen, steht jedoch die DACH-Region für uns an erster Stelle. Danach folgen Großbritannien und Frankreich.
RM: Wie sieht Ihrer Meinung nach die Entwicklung der nächsten Jahre aus? Wo sehen Sie dann Ihre Maschinen?
WZ: Wir erwarten, dass die Maschinen grundsätzlich eher kleiner werden. Der Fokus unsererseits bleibt aber klar im B2B-Geschäft, denn der Konsumentenmarkt ist bereits durch bekannte Marken sehr stark besetzt. Wir sehen dieses Marktumfeld als ein „Haifischbecken“ mit sehr viel Wettbewerb.
RM: Aber auch im B2B-Markt gibt es viele Wettbewerber, besonders aus China. Sehen Sie das als Problem oder eher als eine Herausforderung?
WZ: Ich sehe Wettbewerb grundsätzlich positiv. Er zwingt Hersteller dazu, über Innovationen, bessere Technologien und echten Kundennutzen nachzudenken. Entscheidend ist, Lösungen, Marken und Produkte zu entwickeln, die dem Kunden einen besseren Wert bieten, damit man am Markt bestehen kann.
RM: Wie schätzen Sie den europäischen Markt für professionelle Reinigungstechnik ein?
WZ: Der Markt ist stark über etablierte Händlerkanäle geprägt. Selbst Anbieter wie Gausium oder Pudu haben aus meiner Sicht noch nicht alle Kernkanäle erreicht. Genau darin liegt eine große Chance. In Europa sind Vertrauen, Beratung, Service und Ersatzteilversorgung entscheidend, denn wer im professionellen Geschäft erfolgreich sein will, braucht lokale Partner – nicht nur für Marketing und Vertrieb, sondern vor allem für den After-Sales-Service.
RM: Haben Sie bereits Händler in der DACH-Region?
WZ: Noch nicht in einer festen, umfassenden Struktur. Wir sprechen aber mit sehr erfahrenen potenziellen Distributoren. Einige von ihnen kennen sowohl den europäischen Markt als auch chinesische Robotikhersteller seit vielen Jahren. Sie verstehen, worin chinesische Anbieter stark sind, aber auch, wo Anpassungen für Europa notwendig sind. Die Gespräche sind aktuell ernsthaft, aber anspruchsvoll.
RM: Wo sehen Sie die größten Unterschiede zwischen chinesischen Herstellern und europäischen Kunden?
WZ: Ein einfaches Beispiel sind Broschüren. Viele chinesische Anbieter zeigen schöne Bilder, Farben und technische Daten. Europäische Kunden wollen jedoch vor allem verstehen, welchen konkreten Mehrwert ein Produkt bietet. Welche Probleme löst es? Welche wirtschaftlichen und praktischen Vorteile entstehen? Dieser Blick auf Nutzen, Beratung und langfristige Zusammenarbeit ist in Europa besonders wichtig.
RM: Was erwarten Sie für die nächsten fünf bis zehn Jahre in der Robotik?
WZ: Humanoide Robotik ist ein spannendes Thema, aber aus meiner Sicht braucht sie noch Zeit. Große Sprachmodelle haben der künstlichen Intelligenz einen starken Schub gegeben, doch Sprache allein reicht für humanoide Roboter nicht aus. Sie müssen ihre Umgebung räumlich verstehen, berühren, reagieren, planen und Vorhersagen treffen können. Ich bin kein KI-Experte, aber nach allem, was ich lese, dürfte es noch etwa zehn Jahre dauern, bis humanoide Robotik wirklich reif ist.
RM: Welche Rolle spielen spezialisierte Roboter dabei?
WZ: Spezialisierte Roboter – etwa für Reinigung oder Rasenpflege – sind der realistische und notwendige Zwischenschritt. Dort gibt es heute konkrete Nachfrage, echte Anwendungen, Umsatz, Erfahrung und Daten. Diese Grundlage wird langfristig helfen, komplexere Robotik bis hin zu humanoiden Systemen zu entwickeln.
Das Interview führte Mark Schmiechen.









