• Fachbeitrag

Die Branche leidet unter den hohen Bürokratiehürden

Die Stimmung im Gebäudereiniger-Handwerk bleibt angespannt. Das zeigt die Herbst-Konjunkturumfrage 2025 des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV). Das Ergebnis: Die Branche stagniert, der Optimismus sinkt, und die Bürokratie wächst weiter. Nur 23,1 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen das laufende Geschäftsjahr 2025 positiv. Das ist zwar ein leichter Rückgang gegenüber dem Frühjahr (24,3 Prozent), doch der Anteil bleibt auf niedrigem Niveau. Die Mehrheit der Betriebe – 52,6 Prozent – geht von einer gleichbleibenden Geschäftslage aus, während 24,3 Prozent eine Verschlechterung erwarten.

Noch düsterer fällt der Ausblick auf das kommende Jahr 2026 aus. Nur 19,4 Prozent der Unternehmen hoffen auf eine positive Geschäftsentwicklung. Dagegen rechnen 41,7 Prozent mit einem stabilen, aber stagnierenden Niveau und 38,9 Prozent mit einem Rückgang. Damit übersteigt die Zahl der Pessimisten erstmals deutlich die der Optimisten. Für die Branche, die traditionell als relativ krisenfest gilt, ist das ein Warnsignal: Die allgemeine wirtschaftliche Abkühlung, steigende Löhne und Materialkosten sowie die zunehmende Regulierungsdichte drücken auf die Stimmung.


Im Mittelpunkt der diesjährigen Herbstumfrage stand die Bürokratiebelastung – ein Thema, das seit Jahren als strukturelles Problem des Handwerks gilt. Die Ergebnisse zeigen, wie massiv die Verwaltungspflichten den betrieblichen Alltag bestimmen. Im Durchschnitt verbringen die Beschäftigten in Verwaltung und kaufmännischen Bereichen rund 32 Prozent ihrer Arbeitszeit mit der Erfüllung bürokratischer Vorgaben. Anders gesagt: Ein Drittel des Arbeitstags fließt in Formulare, Nachweise, Meldungen und Dokumentationen. Besonders belastend ist die Situation in kleineren Betrieben, wo Verwaltungsaufgaben oft zusätzlich von Geschäftsführung oder Objektleitung übernommen werden müssen. Rund 21 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass ihre Mitarbeitenden mindestens die Hälfte ihrer Arbeitszeit nur mit Verwaltungstätigkeiten beschäftigt sind. Weitere 11,9 Prozent sprechen von einem Anteil zwischen 40 und 45 Prozent. Knapp 26 Prozent nennen 30 bis 35 Prozent, und weitere 26,7 Prozent schätzen den Aufwand auf 20 bis 25 Prozent der gesamten Arbeitszeit. Damit zeigt sich ein klarer Trend: Kaum ein Unternehmen bleibt von überbordender Bürokratie verschont. Besonders gravierend ist dabei, dass 62,4 Prozent der Betriebe zusätzliches Personal einstellen mussten, um die Vielzahl an Vorgaben überhaupt noch erfüllen zu können.


„Es ist alarmierend, dass sich der Arbeitstag in den Firmenzentralen zu einem Drittel nur um Bürokratiebewältigung dreht“, sagt Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich. „Die Politik muss endlich handeln: Regularien vereinfachen, unnötige Vorgaben streichen und digitale Lösungen dort einsetzen, wo sie wirklich Entlastung bringen.“ Laut Dietrich drohe sonst eine gefährliche Schieflage – Betriebe verlören zunehmend die Lust am Unternehmertum, weil sie sich mehr mit Vorschriften als mit ihrem Kerngeschäft beschäftigen müssten.


Das Vertrauen der Branche in einen wirksamen Bürokratieabbau durch die Politik ist entsprechend gering. Auf einer Skala von eins bis zehn bewerten die befragten Unternehmen ihren Glauben an spürbare Entlastungen mit gerade einmal 3,6 Punkten. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer hätten das Gefühl, dass die Politik zwar über Entbürokratisierung spreche, in der Praxis aber immer neue Pflichten und Nachweise entstehe, heißt es in der Umfrage.


Besonders belastend empfinden die Betriebe die Vorgaben in sechs zentralen Bereichen: Unterweisungen und Gefährdungsbeurteilungen, die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU), die Prüfung von Aufenthalts- und Arbeitserlaubnissen bei Nicht-EU-Bürgern, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Datenschutz und die regelmäßig wiederkehrenden statistischen Meldepflichten gegenüber Behörden. Diese Themen dominieren laut BIV nicht nur den Verwaltungsalltag, sondern führen auch zu hohen Reibungsverlusten und Unsicherheit, da sie häufig mit neuen digitalen Schnittstellen und komplexen Dokumentationspflichten einhergehen.


An der Online-Umfrage beteiligten sich vom 6. bis 20. Oktober bundesweit knapp 300 Mitgliedsunternehmen des BIV.

Text: Redaktion ReinigungsMarkt