- Fachbeitrag
Die Tagesreinigung in Bildungseinrichtungen als Lösung?
Netzwerk-Event im Compliance Campus von Ophardt
Breites Teilnehmerfeld und politische Unterstützung
Rund 50 Fachkräfte nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Herausforderungen und Lösungen in der Hygiene auszutauschen. „Besonders erfreulich war die Teilnahme politischer Vertreter wie Stefan Rouenhoff (MdB) und Stephan Wolters (MdL NRW), die das Thema Hygiene durch ihre Präsenz zusätzlich aufwerteten“, so Ophardt nach der Veranstaltung in Issum.
Fachvorträge und Diskussionen mit Tiefgang
Das Programm bot einen spannenden Einstieg: Eine exklusive Produktionsführung bei Ophardt Hygiene ermöglichte den Gästen praxisnahe Einblicke in die Herstellung moderner Hygienespender. Beim Netzwerk-Event war der Vortrag von Stefanie Veltkamp (Hygiene Veltkamp) wie ein Weckruf: Während Krankenhäuser, Pflegeheime und andere medizinische Einrichtungen strengen Hygienevorgaben unterliegen, klafft in der Behindertenhilfe eine gefährliche Lücke.
In ihrer Präsentation machte Veltkamp deutlich, dass zentrale Hygieneregelwerke – etwa das Infektionsschutzgesetz (§ 35 IfSG), Empfehlungen der KRINKO oder Normen wie DIN 13063 – für Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung oft nicht oder nur eingeschränkt gelten. In manchen Fällen, so Veltkamp, würden sie sogar explizit ausgeschlossen. In Nordrhein-Westfalen etwa verlangt das WTG NRW lediglich eine hauswirtschaftliche Fachkraft – detaillierte Hygienevorgaben fehlen. Die Folgen seien in der Praxis deutlich sichtbar: mangelhafte Reinigungsstandards, fehlende Schulungen und Kontrollmechanismen. Oft herrsche ein „Putzen nach Hausfrauenart“ – gut gemeint, aber nicht infektionspräventiv. Dabei leben gerade in diesen Einrichtungen oft gesundheitlich besonders gefährdete Menschen, für die unzureichende Hygienemaßnahmen fatale Konsequenzen haben können. Veltkamp appellierte an Politik und Fachöffentlichkeit, klare, verbindliche Hygienevorgaben für Einrichtungen der Behindertenhilfe zu schaffen – basierend auf etablierten Standards aus dem Gesundheitswesen. Nur so lasse sich eine sichere Betreuung gewährleisten und der Gesundheitsschutz für Menschen mit Beeinträchtigung ernsthaft verbessern.
Ingmar Lohmann (Wepa Stiftung) stellte ein Konzept vor, das Hygienepädagogik kindgerecht vermittelt. Darüber haben wir schon ausführlich im ReinigungsMarkt berichtet. Hier geht es darum, dass mit der „Sauberzauberbox“ Kinder an das Thema herangeführt werden.
Ein besonderer Programmpunkt war die Podiumsdiskussion, bei der unter anderem Marco Peelen, Klaus Zscherpe (beide Ophardt), Mareen Dimter (Kleen Purgatis), Aline Sommer-Noack (Bundes-Elternbeirat) und Stefanie Veltkamp kritisch beleuchteten, warum Hygiene im Bildungswesen oft zu kurz kommt – und wie diesem Missstand künftig begegnet werden kann. Veltkamps Vorschlag steht stellvertretend für die Diskussion an sich: „Eine Lösung bietet die Tagesreinigung während des Schulbetriebs.“ Sie wirke präventiv gegen Verschmutzung und fördere das Hygieneverhalten. Doch dafür brauche es eins: „den politischen Willen, in
Hygiene zu investieren.“
Networking, Ausstellung und Ausklang
Begleitet wurde die Veranstaltung von einer branchenübergreifenden Industrieausstellung, bei der Produkte und innovative Lösungen rund um Reinigung und Desinfektion vorgestellt wurden.
Hinweis: In der kommenden Ausgabe veröffentlichen wir einen ausführtlichen Fachbeitrag mit tieferen Erkenntnissen von Stefanie Veltkamp über ihr Vortragsthema.
Text: Redaktion ReinigungsMarkt