• Fachbeitrag

Deutschlands personalintensivstes Handwerk im Stimmungstief

Seit 2019 erhebt der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV) zweimal jährlich exklusiv die Branchenstimmung. Fürs Geschäftsjahr 2026 gehen lediglich 16 % (Herbst: 19,4 %) der befragten Unternehmen von einer positiven Entwicklung aus, 50 % (Herbst: 41,7 %) erwarten keine Veränderung und 34 % (Herbst: 38,9 %)

blicken mit negativen Erwartungen voraus. Vor die Kundschaft aus Industrie sowie Büro/Verwaltung sparen an

Reinigungsaufträgen und die Beschäftigungsdynamik lässt nach. Der Blick auf 2027 bleibt kritisch.

Foto: Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks

Frühjahrs-Konjunkturumfrage 2026 des BIV

Von den befragten Unternehmen verzeichnen 49 Prozent im Geschäftsjahr 2025/2026 einen spürbaren Rückgang im Kundenbestand und bei der Anzahl von Kundenaufträgen. Ein noch größerer Anteil (65 Prozent) berichtet von Leistungsreduktionen seitens der Kundschaft, die den Umsatz ebenfalls reduzieren. Die Branchen, die im Bereich der gewerblichen Reinigung am meisten und deutlich spürbar sparen, sind die Industrie (26 Prozent), Büro und Verwaltung (26 Prozent) sowie der Handel bzw. der Einzelhandel (21 Prozent).

Herzstück der Reformen: das Sozialversicherungssystem
Der Großen Koalition von Bundeskanzler Friedrich Merz stellen die Unternehmen nach bald einem Jahr der Regierungsverantwortung ein kritisches Zeugnis aus. Auf der Zufriedenheitsskala von 1 bis 10 erreicht die aktuelle Bundesregierung lediglich einen Wert von 3,7 Punkten.
„Die Vorschläge für unser Gesundheitssystem liegen seit März vor, im Juni folgen die Reformideen für die Rente. Dann ist die Bundesregierung gefordert, konsequent und zügig zu handeln“, erklärt Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich. „Das Herzstück liegt in der strukturellen Reform der Sozialversicherungssysteme. Von deren Gelingen hängt die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts entscheidend ab – übrigens auch die Glaubwürdigkeit dieser Bundesregierung.“

Gestiegene Mobilitätskosten belasten
Die Gebäudereinigung ist mit ihrer dezentralen Organisation stark auf günstige Mobilität angewiesen. Die Beschäftigten sind bundesweit von morgens bis abends, von ländlich bis städtisch in mehr als 100.000 Reinigungsobjekten unterwegs. Demzufolge geben 88 Prozent der Unternehmen an, unter den aktuell stark gestiegenen Mobilitätskosten zu leiden.
Ob Energiesteuer, CO₂-Abgabe oder Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel – 89 Prozent der befragten Unternehmen wünschen sich (zumindest temporär) eine Senkung von Steuern bzw. Abgaben. 87 Prozent befürworten den Kurs der Bundesregierung, die Mineralölkonzerne kartellrechtlich künftig strenger zu regulieren.

Die Beschäftigungs­dynamik schwächelt
Die Wirtschaftskrise hinterlässt auch beim Thema Beschäftigung ihre Spuren. Im Gebäudereiniger-Handwerk ist eine deutlich nachlassende Dynamik zu erkennen. Im Vergleich zum Hoch im Jahr 2023 (696.444 Beschäftigte) ist die Beschäftigung bis 2025 (667.489) um 4,2 Prozent zurückgegangen. 
29 Prozent der Unternehmen mussten 2025/2026 Mitarbeitende betriebsbedingt entlassen.
Für 2026/2027 gehen sogar 41 Prozent von einem solchen Schritt aus.
Die Unternehmen in der Gebäudereinigung sind und bleiben mehrheitlich auf der Suche nach Beschäftigten (74 Prozent). Gründe hierfür sind eine typisch hohe Fluktuation in der Branche sowie eine zunehmend wachsende demografische Personallücke, die es zu füllen gilt. 26 Prozent der befragten Unternehmen suchen aktuell allerdings keine Mitarbeitenden.
Das ist ein auffällig hoher Wert und gegenüber den jüngsten Vergleichszahlen (Frühjahr 2024 = 10,9 Prozent) mehr als eine Verdoppelung.

Ausblick auf 2027 bleibt negativ
Der Blick auf das kommende Jahr fällt ähnlich ernüchternd aus: Während 20 Prozent der befragten Unternehmen mit positiven Erwartungen auf das Jahr 2027 schauen, geht mit 47 Prozent die Mehrheit von lediglich gleichbleibenden Geschäften aus. Etwas mehr als ein Drittel (33 Prozent) der Firmen erwartet, dass sich die Negativentwicklung auch im nächsten Jahr fortsetzt.
An der Online-Umfrage haben sich im Zeitraum vom 24. März bis 10. April 2026 bundesweit 250 Mitgliedsunternehmen beteiligt.

Text: Manuel Schmiedecke/Quelle: Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks