• Fachbeitrag

Die Belastungen müssen konsequent reduziert werden

Wasser, Reinigungschemikalien, Desinfektionsmittel und das regelmäßige Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe gehören für viele Beschäftigte in der Gebäudereinigung zum Arbeitsalltag. Für die Haut, insbesondere an den Händen, bedeutet das eine erhebliche Belastung. Ein wirksames Hautschutzkonzept muss deshalb weit vor dem Eincremen beginnen und Arbeitsverfahren, persönliche Schutzausrüstung, Organisation und arbeitsmedizinische Vorsorge miteinander verbinden. Was für die Gebäudereinigung relevant ist, steht in diesem Artikel.

Foto: BG BAU

Hautschutz in der Gebäudereinigung

Werden diese Belastungen unterschätzt, kann die natürliche Barrierefunktion der Haut beeinträchtigt werden. Trockene oder raue Haut, Rötungen und Juckreiz können erste Warnzeichen sein. Im weiteren Verlauf sind Risse, Entzündungen und chronische Handekzeme möglich.

Gefährdungsbeurteilung als Grundlage
Professioneller Hautschutz beginnt mit der Gefährdungsbeurteilung. Arbeitgeber müssen ermitteln, welchen Belastungen Beschäftigte bei ihren konkreten Tätigkeiten ausgesetzt sind. Dabei reicht es nicht, nur aggressive Reinigungschemikalien zu betrachten. Auch regelmäßiger Wasserkontakt, häufiges Händewaschen und das längere Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe sind relevant. Bei chemischen Belastungen spielen Sicherheitsdatenblätter, Produktinformationen und Anwendungshinweise der Hersteller eine zentrale Rolle. Ein Sanitärgrundreiniger stellt andere Anforderungen als ein neutraler Unterhaltsreiniger. Entscheidend sind die verwendeten Stoffe, ihre Konzentration sowie Art und Dauer der Exposition.

Grundsätzlich gilt das STOP-Prinzip. Gefährdungen sollten möglichst an ihrer Quelle reduziert werden. Weniger gefährliche Produkte sind ebenso zu prüfen wie technische und organisatorische Lösungen. Automatische Dosiersysteme, geschlossene Gebinde, gebrauchsfertige Lösungen oder Reinigungsmaschinen können den unmittelbaren Kontakt mit Chemikalien reduzieren. Auch geeignete Arbeitsgeräte helfen, direkten Hautkontakt zu vermeiden.

Feuchtarbeit nicht unterschätzen
Eine zentrale Rolle spielt die Feuchtarbeit. Wasser wirkt zunächst harmlos, kann bei wiederholtem oder längerem Kontakt jedoch die Hautbarriere beeinträchtigen. Zusätzliche Belastungen entstehen durch Tenside und andere Inhaltsstoffe von Reinigungsmitteln. Auch flüssigkeitsdichte Handschuhe haben zwei Seiten. Sie schützen vor Wasser und Chemikalien, erzeugen bei längerer Tragedauer jedoch ein feuchtes Milieu. Die Hände schwitzen und die Hornschicht kann aufquellen. Deshalb sollten Handschuhe nur so lange wie notwendig getragen werden. Bei längeren 
Tätigkeiten können textile Unterziehhandschuhe sinnvoll sein. Auch organisatorisch sollte versucht werden, längere Phasen der Feuchtarbeit zu reduzieren oder diese auf mehrere Beschäftigte zu verteilen.

Handschuhe passend auswählen
Wo der Kontakt mit Reinigungschemikalien nicht vermieden werden kann, sind geeignete Schutzhandschuhe erforderlich. Dabei ist Handschuh nicht gleich Handschuh. Das Material muss zur verwendeten Chemikalie passen. Ein Handschuh, der gegen einen bestimmten Reiniger schützt, kann gegenüber einem anderen Produkt ungeeignet sein.Ein betrieblicher Hautschutzplan sollte klar regeln, welche Produkte eingesetzt werden. Dabei sind Hautschutz, Hautreinigung und Hautpflege voneinander zu unterscheiden. Hautschutzmittel werden vor beziehungsweise während hautbelastender Tätigkeiten angewendet und müssen auf die jeweilige Belastung abgestimmt sein. Sie ersetzen jedoch keinen erforderlichen Chemikalienschutzhandschuh.

Auch die Reinigung der Hände sollte möglichst hautschonend erfolgen. Stark scheuernde Handreiniger sind zu vermeiden, wenn mildere Produkte ausreichen. Lauwarmes Wasser ist heißem Wasser vorzuziehen. Nach dem Waschen sollten die Hände sorgfältig abgetrocknet werden, insbesondere zwischen den Fingern. Reinigungschemikalien oder Lösemittel dürfen keinesfalls zur Reinigung der Hände verwendet werden.

Die Hautpflege bildet die dritte Säule. Geeignete Pflegeprodukte unterstützen die Regeneration der Hautbarriere und sollten insbesondere nach belastenden Arbeiten, in längeren Pausen und nach Arbeitsende eingesetzt werden. Ein Hautschutz- und Hygieneplan sollte konkrete Produkte nennen und verständlich festlegen, wann welches Mittel und welcher Handschuh verwendet wird. Entscheidend ist jedoch die Umsetzung. Gerade in der Gebäudereinigung mit wechselnden Einsatzorten müssen Handschuhe sowie Hautschutz-, Reinigungs- und Pflegeprodukte dort verfügbar sein, wo die Beschäftigten tatsächlich arbeiten. Ebenso wichtig ist die regelmäßige Unterweisung. Beschäftigte müssen die Gefahren der eingesetzten Produkte kennen und wissen, wie Konzentrate, Dosiersysteme und Schutzausrüstung richtig verwendet werden. Reinigungsmittel dürfen nicht eigenmächtig höher dosiert oder ohne entsprechende Herstellervorgaben miteinander vermischt werden. Die Unterweisung sollte außerdem für frühe Warnzeichen sensibilisieren. Trockene, schuppige Haut, Rötungen, Brennen, Juckreiz oder kleine Risse können auf eine bereits geschädigte Hautbarriere hinweisen. Frühzeitiges Handeln kann verhindern, dass daraus ein dauerhaftes berufliches Hautproblem entsteht.

Text: Daniel Faust