• Fachbeitrag

Einfache Prozesse werden zum Erfolgsfaktor für die Einrichtungen

Eine Marktbefragung zeigt, worauf es Verantwortlichen ankommt: Hygienelösungen müssen zuverlässig funktionieren, einfach anzuwenden sein und sich möglichst reibungslos integrieren lassen. Für das Whitepaper „Hygiene in deutschen Pflegeheimen“ wurden zwischen November 2025 und April 2026 qualitative Gespräche mit Einkaufs- und Hygieneverantwortlichen geführt. Die Gesprächspartner wurden zufällig ausgewählt, hersteller- und produktunab­hängig befragt und die Ergebnisse anonymisiert ausgewertet.

Whitepaper von Hagleitner zu Hygiene in deutschen Pflegeheimen

45 Prozent der Befragten nennen Personalmangel als eine der größten Herausforderungen. Zeitdruck und Prozessstabilität folgen mit jeweils 25 Prozent, die Personalentwicklung wird von 20 Prozent genannt. Dabei geht es nicht allein darum, Fachkräfte zu finden, sondern auch darum, sie langfristig zu halten. Hygiene besitzt unter diesen Bedingungen einen hohen Stellenwert. Alle Interviewpartner bezeichnen das Thema als wichtig oder eher wichtig. Im normalen Betrieb soll Hygiene jedoch möglichst zuverlässig im Hintergrund funktionieren. Gleichzeitig müssen Pflegeeinrichtungen die notwendigen Standards mit dem Anspruch an ein wohnliches Umfeld verbinden. Diese Einschätzung entspricht auch der fachlichen Einordnung des Robert Koch-Instituts. Bewohner von Pflegeeinrichtungen können aufgrund verschiedener Faktoren besonderen Infektionsrisiken ausgesetzt sein. Gleichzeitig ist in der Langzeitpflege die Balance zwischen Infektionsschutz und einem möglichst häuslichen Lebensumfeld zu berücksichtigen.

Schulungen und Standards im Fokus
Großes Verbesserungspotenzial sehen die Befragten bei der praktischen Umsetzung. 60 Prozent nennen die Schulung des Personals als Herausforderung, 50 Prozent die Einhaltung und Kontrolle von Standards. Häufige Personalwechsel und unterschiedliche Sprachkenntnisse können die Etablierung verbindlicher Routinen erschweren. Probleme mit den eingesetzten Produkten wurden dagegen von keinem Interviewpartner als aktuelle Herausforderung genannt. Die Bedeutung klarer Hygieneprozesse wird auch durch die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) unterstrichen. Sie umfassen unter anderem Empfehlungen zur Händehygiene sowie zur Reinigung und Desinfektion von Flächen.

Einfache Bedienung ist gefragt
Für Anbieter von Reinigungs- und Hygienelösungen liefern die Ergebnisse deutliche Hinweise. 80 Prozent der Befragten nennen eine einfache und intuitive Handhabung als wichtigen Aspekt. Für 50 Prozent spielt eine leichte Dosierbarkeit eine Rolle. Im von Zeitdruck geprägten Arbeitsalltag fehlen häufig Ressourcen für komplizierte Anwendungen und lange Einarbeitungen. Entsprechend gefragt sind weitgehend selbsterklärende Systeme. Piktogramme, Farbsysteme und automatisierte Dosierung können Fehlerquellen reduzieren. Die Befragten bevorzugen zudem häufig aufeinander abgestimmte Produktsysteme. Dabei steht weniger das einzelne Produkt als die Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems im Mittelpunkt. Service wird wichtiger Neben dem Produkt spielt die Betreuung eine wichtige Rolle. Für viele Befragte ist die Kombination aus Produkten und Services beziehungsweise die Betreuung durch den Außendienst ausschlaggebend bei der Wahl eines Lieferanten. Entscheidend ist insbesondere schnelle Unterstützung bei Problemen. Auch regelmäßige Servicebesuche werden gewünscht. Als sinnvoller Rhythmus werden sechs bis acht Wochen genannt. Damit geht die Aufgabe eines Anbieters zunehmend über die reine Produktlieferung hinaus. Schulung, Beratung und Unterstützung können dazu beitragen, Hygienestandards trotz knapper personeller Ressourcen dauerhaft im Arbeitsalltag zu verankern.

Digitalisierung und Robotik mit Potenzial
60 Prozent der Befragten bewerten digitale Produkte und Services als wichtig. Eingesetzt werden vor allem Online-Bestellungen, Online-Schulungen und Apps, vereinzelt auch Robotik. Einrichtungen, die bereits entsprechende Lösungen einsetzen, messen der Digitalisierung eine höhere Bedeutung bei. Für die Zukunft erwartet etwa die Hälfte der Befragten keine größeren Veränderungen. Rund ein Drittel rechnet jedoch mit einem stärkeren Einsatz von Robotik, etwa ein Viertel mit einer zunehmenden Digitalisierung von Hygiene und Reinigung. Die Ergebnisse machen deutlich: Innovation muss in Pflegeeinrichtungen vor allem einen konkreten Nutzen bieten. Neue Technik dürfte insbesondere dort überzeugen, wo sie Prozesse vereinfacht, Fehler reduziert, Standards besser kontrollierbar macht oder Personal entlastet.

Text: Daniel Faust/Quelle: Hagleitner