• Fachbeitrag

ESG hat die Lieferketten und den Einkauf verändert

Nachhaltigkeit ist in Unternehmen längst kein reines Marketingthema mehr, sondern eine harte regulatorische Anforderung und ein zentraler Werttreiber für Unternehmen. Im Zentrum dieser Entwicklung steht der strategische Einkauf, denn der Großteil der ökologischen und sozialen Auswirkungen eines Unternehmens entsteht nicht in der eigenen Produktion, sondern tief in der Lieferkette. Hier setzt das Konzept „ESG im Einkauf“, nicht nur für Gebäude­dienstleister, an.

Nachhaltigkeit in der Gebäudereinigung

ESG steht für Environmental, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Im Facility Management betrifft das zahlreiche alltägliche Beschaffungsentscheidungen. Bei Reinigungsmitteln können etwa Inhaltsstoffe, Verpackungen und Dosierung berücksichtigt werden. Bei Reinigungsmaschinen kommen Energie- und Wasserverbrauch, Lebens­dauer, Reparierbarkeit und Ersatzteilversorgung hinzu. Bei Papier-, Hygiene- und Verbrauchsprodukten spielen unter anderem Materialherkunft und Recyclinganteil eine wichtige Rolle. Damit erweitert sich das klassische Anforderungsprofil. Produkte und Lieferanten werden nicht mehr ausschließlich nach Preis, Qualität und Liefertreue beurteilt, sondern zunehmend auch nach ihrer Nachhaltigkeitsleistung und dem Umgang mit Partnern in der Lieferantenkette.

Gebäudedienstleister als Schnittstelle
Für Facility-Service-Unternehmen ist diese Entwicklung besonders relevant. Sie kaufen große Mengen an Chemie, Verbrauchsmaterialien und Maschinen ein und erbringen ihre Leistungen häufig direkt in den Gebäuden ihrer Auftraggeber. Deren Nachhaltigkeitsanforderungen wirken sich damit unmittelbar auf die eingesetzten Produkte und Verfahren aus. Green Procurement bedeutet dabei mehr als den Einkauf vermeintlich umweltfreundlicher Produkte. Entscheidend ist eine ganzheitliche Betrachtung. Dosiersysteme können beispielsweise den Chemieverbrauch reduzieren, Konzentrate Verpackungs- und Transportaufwand verringern. Bei Maschinen sind neben dem Anschaffungspreis auch Wasser- und Energieverbrauch sowie Wartungsaufwand und Lebensdauer relevant.

Eine zentrale Herausforderung ist die Vergleichbarkeit. Aussagen wie „nachhaltig“ oder „ressourcenschonend“ reichen für professionelle Beschaffungsentscheidungen nicht aus. Der Einkauf benötigt belastbare Daten. Umweltzertifikate, Angaben zu Emissionen sowie Informationen zu Produktionsbedingungen und Sozialstandards können deshalb Bestandteil der Lieferantenbewertung werden. Der Grundstein lässt sich bereits beim Lieferanten-Onboarding legen. Standardisierte ESG-Fragebogen und digitale Lieferantenportale ermöglichen es, Informationen strukturiert zu erfassen und Zertifikate zentral zu verwalten.

Auch die Bewertung der Gesamtkosten gewinnt an Bedeutung. Ein vermeintlich günstiges Produkt kann über seine Nutzungsdauer höhere Kosten verursachen, etwa durch einen erhöhten Verbrauch, häufige Wartungsintervalle oder eine kurze Lebensdauer. Eine Betrachtung der Total Cost of Ownership (TCO) berücksichtigt deshalb neben dem Kaufpreis auch Betriebs-, Instandhaltungs- und Entsorgungskosten. Gerade bei Reinigungsmaschinen lassen sich dadurch wirtschaftliche und ökologische Kriterien miteinander verbinden. Darüber hinaus können Gebäudedienstleister Nachhaltigkeitsanforderungen bereits in Ausschreibungen verankern. Dazu gehören beispielsweise Mindestanforderungen an Umweltzeichen, nachvollziehbare Angaben zum Ressourcenverbrauch oder verbindliche Vorgaben für Verpackungen und Rücknahmesysteme. Wichtig ist, dass die Kriterien transparent formuliert und von den Anbietern überprüfbar erfüllt werden können. So wird ESG zu einem festen Bestandteil der Einkaufsstrategie, statt lediglich als zusätzliches Auswahlmerkmal zu dienen.

Digitalisierung unterstützt die Beschaffung
Mit steigenden Anforderungen wächst allerdings auch der administrative Aufwand. Fragebogen, Zertifikate und Nachhaltigkeitsberichte müssen regelmäßig geprüft und aktualisiert werden. Digitale Lieferantenmanagementsysteme können diese Informationen bündeln und externe ESG-Ratings in die Bewertung einbeziehen. Auch künstliche Intelligenz kann unterstützen, indem sie Dokumente ausliest, fehlende Angaben identifiziert oder Nachrichtenquellen auf mögliche Risiken innerhalb der Lieferkette überprüft.

Entscheidend bleibt jedoch die Zusammenarbeit mit den Lieferanten. Werden einzelne ESG-Anforderungen noch nicht erfüllt, müssen Geschäftspartner nicht zwangsläufig ausgeschlossen werden. Gemeinsame Maßnahmenpläne, Schulungen oder Projekte zur Reduzierung von Emissionen können dazu beitragen, die Nachhaltigkeitsleistung schrittweise zu verbessern. Für Gebäudedienstleister entsteht daraus auch ein Wettbewerbsvorteil. Wer seine Beschaffung transparent dokumentiert und Fortschritte bei Ressourcenverbrauch, Emissionen und Lieferantenmanagement nachweisen kann, verfügt über belastbare Informationen für Kundengespräche und Ausschreibungen. Nachhaltigkeit entwickelt sich damit von einer zusätzlichen Anforderung zu einem festen Bestandteil des strategischen Einkaufs.

Text: Daniel Faust/Quelle: Simmeth System GmbH