• Fachbeitrag

Lea-Marie Kosakow aus Sachsen holt sich den Bundessieg

Gut 130 Gewerke beteiligen sich jedes Jahr an Europas größtem Berufswettbewerb, der „Deutschen Meisterschaft im Handwerk“ mit dem schönen, neudeutschen Beititel „German Craft Skills“. Rund 3.000 Junghandwerker nehmen an diesem Wettbewerb teil und ermitteln erst auf Landesinnungsebene später dann auf Bundesebene ihren Deutschen Meister. Mit dabei ist, als eines der beschäftigungsstärksten Handwerke, auch die Gebäudereinigung, die am 06.11. in einem spannenden Wettbewerb ihren Sieger gekürt hat.

Lea-Marie Kosakow ist Deutsche Meisterin der Gebäudereiniger. Vizemeister wurde Erik Gaus (2.v.l.). Auf den dritten Platz kam David Fiegenbaum (3.v.r.). Der niedersächsische Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (r.), Frank Bleitner (2.v.r.), Landesinnungsmeister von Niedersachsen, und BIV-Vorstandsmitglied Matthias Stenzel (l.) Fotos: Mark Schmiechen

Die Deutsche Meisterschaft der Gebäudereiniger im Heide-Park Soltau

Der Wettbewerb
Der unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten stehende und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderte und seit 1951 stattfindende Gesamtwettbewerb ist die Bühne für junge Talente und gleichzeitig eine kleine Leistungsschau. Für das jeweilige Gewerk wirft das mit Spannung erwartete Ereignis natürlich über das Jahr hinaus schon seine Schatten voraus. Teilnahmeberechtigt sind Gesellinnen und Gesellen, die ihre Prüfung mit mindestens „gut“ abgeschlossen, zum Zeitpunkt der Prüfung das 27. Lebensjahr noch nicht überschritten und sich zuvor in den Länderwettbewerben als Erste durchgesetzt haben. Die Bewertung der Leistung kann entweder durch eine umfangreiche Arbeitsprobe, der nochmaligen Bewertung des Prüfungsstücks der Gesellen-/Abschlussprüfung bzw. der auf vorherigen Wettbewerbsebenen angefertigten Wettbewerbsarbeit oder anhand von Noten erfolgen. Es obliegt den jeweiligen Fachverbänden, welches Verfahren sie nutzen.

Jedes Jahr ein neuer Ort
Die Gebäudereiniger tragen ihre Meisterschaft per Arbeitsproben aus. Dabei wechselt der Austragungsort von Bundesland zu Bundesland, jedoch haben die Aufgaben immer Überraschungen parat. War es letztes Jahr das Rote Rathaus in Berlin mit eher klassischen Aufgaben wie der Teppichreinigung und die Reinigung eines Granitbodens, so durften die Wettbewerber sich dieses Mal im Heidepark 
Soltau ans Werk machen. Der für die Winterpause geschlossenen Park war, nach Aussage der Teilnehmer sowie auch der Jury, eine ungewöhnliche, weil eher selten im Tagesgeschäft vorkommend, und vor allen Dingen interessante Plattform für die Austragung der Meisterschaft. Die zehn Landesmeister traten in einem, mit den verschiedensten Schwierigkeiten gespickten, Aufgabenfeld gegeneinander an. Und natürlich gibt es einen Gewinner oder eine Gewinnerin, jedoch ist es letztendlich die Teilnahme an sich, die alle Mitwirkenden motivierte. Nachdem sich die „Duellanten“ am Abend vorher kennengelernt hatten, in Wettbewerbsgruppen eingeteilt und in die Aufgaben eingewiesen wurden, fiel am Morgen darauf der Startschuss.

Die Aufgaben
Was sie dann in dem achtstündigen Wettkampf erwartete, war ein gute Mischung aus Bekanntem und durchaus Neuem, zumindest galt dies für eine Aufgabe. Je Aufgabe hatten die Kandidaten zwei Stunden Zeit, um diese zu bewältigen. Bei jeder Aufgabe waren die Reinigungsmaterialien durch den Auftraggeber, in diesem Fall der Heidepark Soltau „vertreten“ durch die Juroren, vorgegeben. Aufgabe 1 umfasste die maschinelle Reinigung einer Pool-Landschaft im Abenteuerhotel des Parks, wobei das Hauptaugenmerk auf der Beseitigung der Kalk- sowie Fettreste und sonstigen Hinterlassenschaften der Besucher zielte.
Aufgabe 2 klang nach einem einfachen Job, da „nur“ die Kalkrückstände auf der Frontseite der Drachengondeln eines Fahrgeschäftes mittels eines Melaminpads entfernt mussten, aber auch hier lag die Tücke im Detail. Ob man richtig gearbeitet hat, ließ sich erst am Ende wirklich durch den Vergleich mit den noch nicht gereinigten Gondeln sehen. Die dritte Aufgabe war dann so ein bisschen das Highlight der Meisterschaft. Unter zur Hilfenahme von Teleskoparbeitsbühnen musste jeweils ein Schienenteilstück sowie eine Stütze der Katapultachterbahn mit einem Hochdruckreiniger gesäubert werden. Entfernt werden mussten der Gummiabrieb sowie die Schmierfettrückstände auf der Schiene und der Pilzbelag auf den Stützen. Die besondere Schwierigkeit hierbei war neben der ungewohnten Arbeitsunterstützung, die richtige Zeiteinteilung. Hielt man sich zu lange mit der Schiene auf, reichte am Ende möglicherweise nicht mehr die Zeit für eine gründliche Reinigung der Stütze.

Die Bewertung
Die zehnköpfige Jury hatte es ebenfalls nicht einfach, alle „Prüflinge“ sind immerhin gestandene Gebäudereinigergesellen, die mit einer Bestleistung aus den Vorwettbewerben sich ihre Teilnahme gesichert hatten. „Da geht es letztendlich nur um Nuancen, denn sie sind ja die Besten der Besten. Da erwarten wir natürlich eine entsprechende Leistung, die sie aber auch sehr deutlich hier zeigen.“, erklärte Peter Hollmann, einer der Juroren am Karussell, „Und es ist schön zu sehen, wie organisiert und strukturiert sie ihre Aufgaben angehen, aber wir stehen darüber hinaus für Fragen zur Verfügung.“
Die Bewertung jeder Prüfungsaufgabe wurde nach sechs Bewertungskriterien ermittelt, die am Ende zu einer maximalen Punktzahl von 100 Punkten führte. Beachtung fanden die Arbeitssicherheit, die Schadensanalyse, die Technologie bzw. der Arbeitsablauf, die Organisation des Arbeitsplatzes, das Zeitmanagement und das Reinigungsendergebnis. Wie fast schon vorher erahnt, war es am Ende ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

„Und der Gewinner ist…“
Am Ende stand Lea-Marie Kosakow aus Sachsen als strahlende Siegerin auf der Bühne im Abenteuerhotel. Unter den Augen von Familienangehörigen und in Anwesenheit des Niedersächsischen Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne (SPD), Mike Schneider, Präsident des Niedersächsischen Handwerkstages, sowie Frank Bleitner, Landesinnungsmeister von Niedersachsen nahm sie den ausgelobten Preis entgegen.
Zweiter Bundessieger wurde Erik Gaus aus Niedersachsen vor David Fiegenbaum aus Nordrhein-Westfalen. Die drei Wettbewerbsbesten erhalten den mit insgesamt 4.500 Euro dotierten Carl-Gegenbauer-Preis des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereiniger-Handwerks (BIV). Zudem kämpfen alle Teilnehmer im kommenden Jahr um den mit 2.000 Euro dotierten „Newcomerpreis“.
BIV-Vorstandsmitglied Matthias Stenzel verwies im Rahmen der Siegerehrung noch einmal auf den besonderen Austragungsort im Heide-Park in Soltau: „Er zeigt, wie vielseitig, innovativ und professionell unser Handwerk ist. Wir richten heute die Scheinwerfer auf die besten Köpfe unserer Branche - und in diesem Jahr tun wir das in einem ganz besonders ‚rasanten‘ Rahmen dieses Freizeitparks.“ Wirtschaftsminister Tonne ergänzte, dass das Handwerk nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber ist, sondern es auch besonders verdient hat ins Rampenlicht gestellt und herausgehoben zu werden.
Nachgefragt bei allen Teilnehmern des Wettbewerbs war einhellig zu hören: „Man will logischerweise gewinnen, aber dabei sein war auch schon Klasse. Und es war eine super Location, man viele neue Leute kennengelernt und alles in allem hat es richtig Spaß gemacht.“

Text und Fotos: Mark Schmiechen