- Fachbeitrag
Vom Start-up zur globalen Marke: Lionsbot definiert die Robotik neu
Interview mit Lionsbot-Gründer Dylan Ng Trentzer
ReinigungsMarkt (RM): Herr Terntzer (D. N. T.), lassen Sie uns über Lionsbot sprechen. Geben Sie uns einen kurzen Überblick, von der Idee bis zum heutigen Unternehmen.
D. N. T.: Alles begann bei uns im Grunde genommen mit einer schlichten Idee. Meine Frau Michelle und ich kommen aus der Logistik und haben mit unserer damaligen Firma zwar Reinigungsmittel vertrieben, aber das Thema Reinigungsroboter war eher nicht in unserem Fokus. Wir haben aber erkannt, dass es in Singapur einen Bedarf an Reinigungsrobotern gibt, denn auch bei uns ist das durchschnittliche Alter bei Reinigungsfachkräften über 60 Jahre. Also starteten wir 2018 mit LionsBot und wollten einen schönen Reinigungsroboter bauen. Heraus kam der LeoBot.
Obwohl alle Beteiligten Ingenieure und keine Reinigungsprofis waren, haben wir ein Gerät konstruiert, das den Bedürfnissen entgegenkam und das wir erfolgreich in den hiesigen Markt einführen konnten. So stieß dann mein Co-Geschäftsführer Dr. Mohan Rajesh Elara zu uns, der an Singapur University of Technology and Design (SUTD) als Professor lehrt und ausbildet. Er hatte einen unserer Roboter gesehen und fragte nach, ob wir zusammenarbeiten wollen. Mit ihm machten wir einen Sprung in der Technik und auch im Design. Ein Roboter muss eben nicht schön sein, sondern gefallen und für den Bediener intuitiv sein. Zum Beispiel sagen unsere Roboter: „Der Wassertank ist leer“ und zeigen nicht nur ein rotes Kontrolllämpchen.
Die Pandemie war für uns auch nicht einfach, hat aber den Markt etwas beflügelt und 2021 schafften wir dank Victor Wagner als Mitinvestor den Sprung auf den wichtigen europäischen und vor allen Dingen auch deutschsprachigen Markt. Trotz des sehr großen Wettbewerbs durch chinesische Anbieter ist unsere Lage hier in Singapur so ein wenig zwischen den Welten Ost und West. Dadurch sind wir in der Lage, alle Märkte gleichermaßen zu bedienen und haben den Vorteil des relativ einfachen Zugangs zu den Lieferanten sowie gleichzeitig den Erfahrungsinput der Benutzer in den relevanten Märkten. Aktuell sind wir ein Unternehmen mit rund 300 Mitarbeitern in der Produktion und Verwaltung.
RM: Wie beurteilen Sie die aktuelle Marktentwicklung? Zunächst einmal auf internationaler Ebene?
D. N. T.: Man sieht, dass der Markt stetig wächst und dass die Zukunftsaussichten in der Branche sehr gut sind. Es gibt weltweit Märkte, die richtig gut laufen, wie in den USA, Westeuropa, Japan und natürlich China bzw. Singapur. Das Vertrauen in die Fähigkeiten der Roboter nimmt ebenfalls zu und somit auch die Verwendung in den verschiedensten Bereichen. Es zeigt sich, dass Roboter nicht nur einfach herumfahren, sondern ihre Aufgaben zuverlässig erledigen, was in naher Zukunft wohl auch die letzten Skeptiker überzeugen wird. Interessant ist bezogen auf die Qualität und den Preis, dass die Kunden nicht mehr nur den billigsten nehmen. Da der Reinigungsroboter als Partner bzw. Unterstützer des Menschen fungiert, muss er gewisse Qualitätsstandards erfüllen und die haben in Regel ihren Preis.
RM: Und zweitens in Bezug auf den europäischen bzw. den deutschen Markt?
D. N. T.: Die Nachfrage in Westeuropa ist, wie ich esschon andeutete, ungebremst, in Osteuropa hingegen auf Grund des niedrigeren Lohnniveaus etwas schwächer. Ein sehr gutes Beispiel für den Run auf Roboter in Westeuropa ist Großbritannien. Gründe hierfür sind sicherlich der Brexit, die Einwanderungsproblematik und die gleiche Problematik mit dem relativ hohen Altersdurchschnitt der Mitarbeitende in der Reinigungsbranche. Auch in diesen Märkten sehen wir, dass nicht der Preis ausschlaggebend ist, sondern die Reinigungsleistung und vor allen Dingen auch der Service.
Hinzu kommt mittlerweile die Frage nach dem Umgang mit den Daten, die ein Reinigungsroboter sammelt, das heißt, wo ist er, was macht er, wie ist sein technischer Zustand, aber noch viel wichtiger, die Daten, die er sammeln könnte.
Denn Reinigungsroboter sind zum Teil in hochsensiblen Bereichen tätig, wo es um wirtschaftliche oder militärische Geheimnisse gehen kann. Da gibt es ein leicht gestiegenes Misstrauen gegenüber Geräten aus China. Nicht ohne Grund hat die Schwartz Gruppe den Grundstein für ein eigenes Datencenter in Deutschland gelegt.
Außerdem hat sich die Geschwindigkeit der Entwicklungen verlangsamt. Wir sehen nicht mehr jedes Jahr eine völlig neue Generation an Reinigungsrobotern, die versuchen, Markt zu erobern.
RM: In Deutschland ist derzeit noch vor allem von Cobotik die Rede, also davon, dass Menschen von Maschinen unterstützt und nicht vollständig ersetzt werden. Wie wird sich das Ihrer Meinung nach in den nächsten 5 oder 10 Jahren entwickeln?
D. N. T.: Die Leistungsfähigkeit der Reinigungsroboter geht heute schon über den alltäglichen Einsatz hinaus, aber im Moment sind noch die Menschen die „Teamleader“. Der vollautonome Einsatz ist schon in verschiedenen Anwendungen problemlos installiert, wobei es zum Beispiel in Einkaufspassagen oder Hotels die Problematik der verschieden Geschosse gibt, die eine Hürde darstellen. Da ist die Entwicklung so weit, dass neuere Fahrstuhlgenerationen in die Programmierung der Roboter integriert werden können.
Es wäre natürlich manchmal einfacher, wenn der Reinigungsroboter Arme hätte, doch humanoide Roboter, die die schwierigen Bereiche wie zum Beispiel Toiletten oder Küchen übernehmen, bedürfen meiner Meinung nach noch einer weiteren Entwicklungsarbeit und kommen vielleicht in den nächsten fünf Jahren vermehrt auf den Markt. Eines wird aber immer bleiben – der Roboter muss reinigen können!
RM: Wenn ich richtig informiert bin, stehen im Moment nur 2 Modelle, der Rex und der R3, in insgesamt vier Varianten zur Auswahl. Was gibt es Neues auf der Interclean in Amsterdam, wenn wir jetzt schon darüber sprechen dürfen?
D. N. T.: Wir bereiten den Launch unserer Generation Six vor, das heißt, zur Interclean kommt ein neuer Reinigungsroboter, von dem wir überzeugt sind, dass er für uns ein neuer Meilenstein sein und die Branche überraschen wird. Er wird aus unserer Sicht ein echter Gamechanger sein. Wir haben bei der Entwicklung all die Erfahrungen unserer weltweiten Kunden mit einfließen lassen und würden uns freuen, wenn wir damit mal wieder einen Preis gewinnen könnten. In den nächsten Folgejahren erweitern wir dann die Palette um vier neue Modelle.
RM: Dylan, vielen Dank für das interessante Gespräch.
Das Interview führte Mark Schmiechen









