- Fachbeitrag
Jetzt ist die dritte Generation auch mit an Bord im Familienbetrieb
Dr. Butze in Klingenberg: 35 Jahre erfolgreiches Unternehmertum
Regional, aber nicht provinziell
Klingenberg, 30 Kilometer südwestlich von Dresden – das klingt zunächst nach tiefer Provinz und wenig aufregender Firmenpräsenz. Doch „Am Rittergut 6“ hat sich in den letzten 35 Jahren ein erfolgreiches Handelsunternehmen entwickelt, das mit dem Eintritt der Enkel des Gründers Dr. Claus Butze in die dritte Generation geht. Der Standort ist dabei eine der beständigen Säulen des Unternehmens, denn die Familie Butze ist seit jeher eng mit der Geschichte Klingenbergs verbunden.
Erfolgreiches Unternehmertum liegt in der Familie
Die Geschichte der Dr. Butze GmbH & Co. KG ist eine spannende Mischung aus Vertrauen, Tatkraft, unbändigem Gestaltungswillen, tiefer Heimatverbundenheit und dem richtigen Zeitpunkt für den Startschuss. Ein Blick in die Familienhistorie zeigt, dass der Unternehmergeist schon früh vorhanden war: Der Großvater von Dr. Claus Butze gründete 1913 einen Lebensmittelhandel, der später um ein Gasthaus und ein kleines Busunternehmen erweitert wurde. Genau genommen kann man also bereits von der fünften Generation sprechen, die mit ihrem unternehmerischen Wirken zum familiären Wohl beigetragen hat – stets eng mit dem Heimatort verbunden.
Vom Stahldirektor zum Händler von Reinigungsmitteln
Die 1990er-Jahre gelten in der deutschen Geschichte als Zeit des Aufbruchs – mit vielen Chancen, aber auch Enttäuschungen. Für Claus Butze überwogen die Chancen. Auf die Frage, warum es gerade Reinigungschemie wurde, antwortet er schlicht: „Das Produkt war eigentlich egal. Es war eher die Möglichkeit, in den Handel einzusteigen und etwas Eigenes aufzubauen, was mich reizte.“ Dann lacht er: „Rückblickend hatte ich wohl ein gewisses Urvertrauen in meine Fähigkeiten. Aber hätte ich gewusst, wie hoch der Berg ist, den wir erklimmen mussten ...“
Zu dieser Zeit war der promovierte Diplomingenieur als Vertriebsdirektor eines Edelstahlwerks in Freital tätig. Er erkannte jedoch früh die Risiken, die die Wende für das Werk mit sich bringen würde. Dann kam der Zufall ins Spiel, der alles ins Rollen brachte: Einer aus Klingenberg am Main in Hessen nahm Kontakt zu einem Klingenberger aus Sachsen auf und bot ihm den Vertrieb von Reinigungschemie aus dem Hause Dreiturm an. Der Start in die neue Selbstständigkeit war für die Familie Butze ein wenig wie „back to the roots“. Der Anfang des Handelsgeschäfts lag nämlich im alten Ladengeschäft seiner Eltern – inklusive einer kleinen Garage als Lager.
Die Familie vervollständigt den Erfolg
Neben der tiefen Verwurzelung in Klingenberg spielt auch die Familie eine zentrale Rolle in dieser Erfolgsgeschichte. Anfangs half nur Claus Butzes Ehefrau Regine eifrig mit. Mit dem Einstieg seines Sohnes Jan kam jedoch zusätzlicher Schwung ins Unternehmen. Schon während seines Studiums in Berlin verbrachte Jan jede freie Minute im elterlichen Betrieb. 1994, mit dem Studienabschluss in der Tasche, stieg er schließlich voll ein. Dass das für Vater und Sohn so selbstverständlich war, mag Außenstehende überraschen. Doch wer die beiden zusammen erlebt, erkennt schnell das besondere Potenzial dieser Verbindung. „Mit meinem Vater gemeinsam zu arbeiten, erschien mir damals als großes Glück. Er hat mir nie Steine in den Weg gelegt, sondern mir den Freiraum gegeben, eigene Projekte zu entwickeln“, betont Jan Butze. „Und ich habe ihm immer gesagt, dass ich die Brücke bauen kann – aber rübergehen muss er selbst“, fügt Claus Butze schmunzelnd hinzu.
Dieses Gespann funktioniert nun seit mehr als 30 Jahren – und beide sind überzeugt, dass ihr Erfolg ohne die Unterstützung ihrer Partnerinnen kaum möglich gewesen wäre.
Kein Raketenstart, sondern konstantes Wachstum
Die heutige Größe und Stabilität des Unternehmens sind auch darauf zurückzuführen, dass das Wachstum nie explosionsartig verlief, sondern sich kontinuierlich entwickelte. Unternehmensgewinne wurden stets wieder in den Betrieb reinvestiert.
Nach der Übernahme des Vertriebs für Dreiturm mit der Vertretungsberechtigung für das halbe Gebiet der neuen Bundesländer kamen Sorma und Buzil ins Sortiment. Wichtige Meilensteine waren der Erwerb des heutigen Standorts auf dem ehemaligen Rittergut im Jahr 1992, die anfängliche Verbindung zur Mobiloclean Handelsgruppe, die Eröffnung des Abholmarkts in Dresden 2005, der Bau des Logistik- und Servicezentrums in Klingenberg 2010, die Erweiterung des Liefergebiets durch die Niederlassung in Brandenburg sowie 2021 die Eröffnung des Kompetenz- und Logistikzentrums in Krieschow. Vor zwei Jahren kam eine weitere Niederlassung in Stralsund hinzu – damit wurde das Liefergebiet auf die Postleitzahlbereiche 17xxx und 18xxx ausgeweitet.
Eine besonders prägende Zusammenarbeit, so Jan Butze, war der Beitritt zur GVS-Gruppe im Jahr 2002, in deren Vorstand er heute sitzt. „Ich bin mir sicher, dass wir unsere heutige Flughöhe ohne diese Partnerschaft nicht erreicht hätten. Wir sind dankbar für die Unterstützung, die wir von Anfang an erfahren haben“, betont er. Trotz aller Erfolge blieben kleinere Rückschläge im Laufe der Jahre natürlich nicht aus.
Ein Pionier der Nachhaltigkeit
Eines der Projekte, das Jan Butze in Eigenregie initiierte und weiterentwickelte, ist das firmeneigene Schulungszentrum. Schon früh bot die Dr. Butze GmbH Schulungen für Kunden an. 2010 kam die Idee auf, den alten Kuhstall, der keiner wirklichen Nutzung unterlag, umzubauen. Schon damals sah Jan Butze die Notwendigkeit, nicht nur praxisorientierte, sondern auch nachhaltigkeitsbezogene Schulungen anzubieten. „Heute nimmt das Thema Nachhaltigkeit im unternehmerischen Handeln einen großen Raum ein – damals war ich mit meiner Idee wohl etwas der Zeit voraus. Die große Veranstaltungsidee in Zusammenarbeit mit Herstellern hat sich letztlich nicht ganz durchgesetzt. Aber eines ist geblieben: Der umgebaute Kuhstall wurde zu einer schönen Nutzfläche, und der Name unseres Schulungszentrums – bluecamp – ist geblieben“, erzählt er mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Gut gerüstet für die Zukunft
Heute beschäftigt die Dr. Butze GmbH & Co. KG rund 140 Mitarbeiter an vier Standorten – mit einem Liefergebiet, das sich entlang der polnischen Grenze von der Ostsee bis zum Erzgebirge erstreckt.
Aufgrund der Unternehmensgröße gibt es unterhalb der Familie eine Geschäftsführungsebene, die eng mit den geschäftsführenden Gesellschaftern zusammenarbeitet. Die Söhne von Jan Butze sind nach ihrem Studium als dritte Generation in die Firma eingestiegen. Erwähnenswert ist außerdem das familieneigene Hotel „NEUE HÖHE“, welches ebenfalls als Tagungszentrum genutzt wird.
Dr. Claus Butze und seine Frau haben sich zwar weitgehend aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, bleiben jedoch als Teil der großen Familie präsent. In Klingenberg sieht man sich damit bestens für die Zukunft aufgestellt.
Text: Mark Schmiechen









